Artikel aus der Volksstimme vom 24.Februar 2012

Was ein Vogel über die Schützen erzählt

Die Geschichte der Stendaler Schützengilde wird Bestandteil der Dauerausstellung im Altmärkischen Museum. Zu sehen sind einige besondere Exponate.

Von Klaus Pohlmann Stendal.
Auch eine Dauerausstellung braucht mal eine Auffrischung, und die bekommt die des Altmärkischen Museums gerade. "Die Stadt Stendal verfügt wie kaum andere Städte über eine umfangreiche Husaren- und Schützengeschichte, worauf sie stolz sein kann", sagt Frank Hoche, Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Museen des Landkreises. "Und deshalb wird diese Thematik mit Fotos, Schriftstücken und vielen anderen Ausstellungsobjekten auch in dieser Ausstellung einen würdigen Platz finden."

Zum Blickfang gehört deshalb künftig ein übergroßes eingerahmtes Diplom aus dem Jahr 1895, auf dem sämtliche aktive Schützen und denkwürdige Schießscheiben der damaligen Schützengesellschaft (Gilde) zu sehen sind. Dem Altreichskanzler Fürst Bismarck wurde dieses Diplom mit der Inschrift "Unserem Ehrenmitglied Durchlaucht Fürst Bismarck- Schönhausen zum 80. Geburtstag am 1. April 1895. Die Schützengesellschaft von Stendal" zu seinem Ehrentag geschenkt. Er erhielt es aber auch, weil er Ehrenmitglied der Gilde war und auch heute noch in der Schützenchronik erwähnt wird. Am 1. Mai 1895 erhielten die Stendaler ein handschriftliches Dankeschönschreiben vom Kanzler.

Neben dem imposanten Diplom werden auch die Königsketten – als äußeres Zeichen der Regentschaft der Schützenmajestäten – einen würdigen Platz einnehmen und sicherlich die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen. Diese Ketten können so manche geschichtliche Details über das Schützenwesen der Gilde preisgeben, wie es auch das Mitglied der Schützengilde, Carsten Börner gern tut, wenn er von Touristen gefragt wird.

So wird man an der Schützenkette auch einen silbernen Vogel aus dem Jahr 1580 entdecken, der als ältestes Relikt der Gilde angesehen wird und wohl das äußere Zeichen der damaligen Schützenkönige darstellte, weil es noch keine Kette gab. Eventuell besteht ein Zusammenhang mit den Armbrustschützen der Stadt Stendal, die als Vorgänger der Gilde schon 1305 genannt wurden. 1351 wurde auch Klaus von Bismarck Mitglied dieser Armbrustschützen.

Erste Königskette stammt aus dem Jahr 1698

Wilhelm von den Knesebecks wird schließlich als Stifter der ersten Königskette genannt, die der Goldschmied Andreas Nicolaus anfertigte. Die erste Inschrift auf der Silbertafel aus dem Jahr 1698 lautet: "Curd Gottfried von Üchtritz, Churfürstlicher Brandenburger Geheim Rat und Landeshauptmann der Altmark, Anno 1698." Gildemitglied Carsten Börner erzählt: "Danach wurde auch der Vogel an der Kette befestigt, an der sich nun die Schützenkönige, die alle in Stendal geboren sein mussten, auf den Silbertafeln mit ihren Namen verewigten, oftmals auch mit ihrer Berufsbezeichnung." So waren zum Beispiel ein Seifensieder, ein Zigarrendreher und ein Kanonier darunter.

Auf dem zweiten Schild aus dem Jahr 1704 wurde der Kettenstifter, also Wilhelm von den Knesebecks, als Schützenkönig genannt. Bis 1878 befanden sich schon 68 Königsschilder an der Kette, wobei allerdings 36 Schilder zwischen 1712 bis 1789 aufgrund schlechter finanzieller Lage der Gilde verkauft werden mussten. Wegen der Schwere der Kette wurden auch immer wieder Schilder entfernt und im Archiv gelagert.

Ingrid Rösicke, die als erste Frau am Königssschießen teilgenommen und gewonnen hat, legt mit Stolz die die mehrere Kilogramm schwere historische Schützenkette um. Ältestes Relikt der Gilde ist dieser silberne Vogel von 1580, das erste Symbol des Schützenkönigs.

Ingrid Rösicke, die als erste Frau am Königssschießen teilgenommen und gewonnen hat, legt mit Stolz die die mehrere Kilogramm schwere historische Schützenkette um. RECHTS: Ältestes Relikt der Gilde ist dieser silberne Vogel von 1580, das erste Symbol des Schützenkönigs.



Malermeister Ferdinand Lenz, der 1939 letzter Gilde-König wurde, rettete die historische Kette und übergab sie 1962 dem Altmärkischen Museum. Wegen der historischen Bedeutung, wegen ihres mehrere Kilogramm umfassenden Gewichts und auch angesichts der Versicherungsmodalitäten wird die Kette von den Schützen nur noch zu besonderen Anlässen getragen. Mit der Wiederbelebung des Schützenwesens nach der Wende wurde eine zweite kleinere Kette angefertigt, deren Silberplatten die Namen der Gilde-Könige der letzten 20 Jahre wiedergeben.

Auf dem letzten Schild von 2011 steht erstmalig in der jahrhundertelangen Gilde- Geschichte ein Frauenname. Ingrid Rösicke, die mehrmalige Kreisschützenkönigin, konnte am Königsschießen der Gilde teilnehmen und sich gegenüber den männlichen Schützenbrüdern beim Königsschießen in der Gilde gleich durchsetzen.

Auch die Schützen der Gilde sind schon gespannt auf die neu gestaltete Ausstellung. Wilhelm Müller (Gilde-Gründungsmitglied), Manfred Sköries (Vorsitzender der Gilde) und Ingrid Rösicke (Gilde-Sportleiterin und mehrmalige Kreisschützenkönigin) besuchten deshalb vor einigen Tagen das Museum und erfuhren Historisches über das Schützenwesen und über die Geschichte der Schützenketten ihrer Gilde.

Schützenfest 2012

Vereinsfest mit Schuss

Artikel aus der Volksstimme von 2012-06-05
Sven Neumann ist neuer König der Privilegierten Schützengilde

Mit ihrem Schützenfest, traditionell wenige Tage nach Pfingsten, erlebten die Mitglieder der Stendaler "Privilegierten Schützengilde" in diesen Tagen wieder einen Höhepunkt in ihrem Vereinsleben.
Von Klaus Pohlmann Stendal

Mit seinen Schüssen aus der wuchtigen Handböllerpistole zog Lutz Fischer am späten Freitagnachmittag die Blicke der Stendaler in der Innenstadt auf den Gildemarschblock. Dieser setzte sich, begleitet von Abordnungen befreundeter Schützenvereine und Husaren, mit schmissiger Musik, dargeboten von den Arneburger Blasmusikanten, vom Sperlingsberg in Richtung Uenglinger Tor in Bewegung.

Bevor die Schützen, Sponsoren und Gäste das Sauessen genießen konnten, würdigte der Gildepräsident Manfred Sköries die Aktivitäten der Vereinsmitglieder im Sinne des Brauchtums und des Hobbys. Der feierliche Rahmen wurde auch genutzt, um die besten Schützen, die zuvor bei mehreren Pokalwettbewerben erfolgreich teilnahmen, zu ehren.

Sven Neumann ist der neue Schützenkönig der Privilegierten Gilde

Sven Neumann (Zweiter von links) ist der neue Schützenkönig der Privilegierten Gilde. Seine Vorgängerin Ingrid Rösicke gratuliert ihm und seinem Vize Lutz Fischer (rechts). Bild: Klaus Pohlmann

Lutz Fischer war der erfolgreichste Schütze, denn er gewann die "Stadtwerke-Säule" und den "Sparkassen-Pokal". Ingrid Rösicke nahm die "Stadtwerke-Scheibe" in Empfang, und Elke Reinecke freute sich über den "Vereins-Pokal". Peter Listmann durfte den "Gerberhof-Pokal" und Kathrin Wege den "Frauen-Pokal" mit nach Hause nehmen. Auch der Schützennachwuchs ging nicht leer aus: Lisa-Marie Wege, Alexander Horn und Dennis Wiebeck waren die Besten beim Jugend-Pokal beziehungsweise beim Vogelschießen.

Ingrid Rösicke und Wilhelm Müller erhielten für ihre 20jährige und Elke Reinecke für ihre 15jährige Mitgliedschaft den Beifall der Anwesenden. Diesen erhielten auch Peter Listmann, Elena Sköries und Sven Neumann für die 10-jährige Mitgliedschaft. Der Sonnabend bildete mit dem Königsschießen und der Proklamation der neuen Majestät den Höhepunkt der Schützenwoche. Nachdem aus dem Feld der 18 Schützen, die sich um die Königskrone bewarben, die Schützen Peter Listmann, Lutz Fischer und Sven Neumann als Besten hervorgingen, durften diese drei den einen wichtigen Königsschuss abgeben. Der 42jährige Sven Neumann, der seit 2001 Gildemitglied ist, wurde mit dem besten Schuss neuer Schützenkönig der Privilegierten Schützengilde. Lutz Fischer steht ihm als Vizekönig zur Seite.

Schützenfest 2012

Artikel aus der Volksstimme von 2012-05-31
Zum Auftakt ihres Schützenfestes zogen die Mitglieder der Privilegierten Schützengilde von 1483 gestern vom Sperlingsberg durch die Breite Straße zum Marktplatz (Foto). Angeführt von den Arneburger Blasmusikanten,hatten sich auch Vertreter befreundeter Vereine mit eingereiht.

Privilegierte Garde startet ihr Schützenfest 2012

Privilegierte Garde startet ihr Schützenfest 2012. Bild: Klaus Pohlmann

Nach einer Pause im „Schwarzen Adler“ ging es weiter zum Uenglinger Tor und später zum Schützenhaus am Akazienweg. Dort war ein Sauessen geplant, verbunden mit Beförderungen und der übergabe von Pokalen. Das Schützenfest wird am Sonnabend mit dem Königsschießen fortgesetzt. Am Abend schließt ein Ball die Feierlichkeiten ab.

Bilder vom Schützenfest 2012


      
      
      
      

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